Über 60 Prozent der Bevölkerung Haitis verdient keine 1.20 CHF pro Tag und lebt somit unter der Armutsgrenze. Nichtsdestotrotz stecken die Menschen voller Lebensfreude und Willenskraft, ihr Leben zu verbessern. Vor allem die Frauen haben innovative Ideen und Visionen für eine selbständige Tätigkeit, ihnen fehlt jedoch ein gewisses Anfangsbudget sowie das nötige Wissen. SILOAH unterstützt zusammen mit der Frauen-Selbsthilfegruppe MOFADEL (kreolisch, sinngemäss: Mikrokreditorganisation zur Entwicklung aktiver Frauen in Lougou) vor Ort solche Frauen bei der Realisierung ihrer Träume.

Was sind Mikrokredite und wie wird vorgegangen?

DSCN7734Mikrokredite sind Kleindarlehen an Frauen, die sich selbständig machen wollen. Das Konzept basiert auf den Ideen des Nobelpreisträgers Muhammad Yunus aus Bangladesch. Das Vorgehen ist einfach: Wenn eine haitianische Frau die Vision hat, einen eigenen Betrieb zu führen, oder wenn sie beginnen möchte, selbständig Ackerbau zu betreiben, kann sie sich als Kreditempfängerin bewerben. Bei einer Vermittlung in das Mikrokreditprojekt erhält die Frau einen Kredit für ein halbes Jahr mit einem Zinssatz von nur 3 Prozent, den sie wöchentlich zurückzahlen muss. Hier kommt nun die Frauen-Selbsthilfegruppe ins Spiel: Damit die Geschäftsidee ein Erfolg wird, erhält die neue Besitzerin Beratung und gezielte Schulung, angepasst an ihr eigenes Projekt. Der gesamte Zins den die Frauen zurückzahlen, fliesst wieder in das Mikrokreditprojekt. Das heisst, eine weitere Frau bekommt davon einen Mikrokredit, um ihre Geschäftsidee verwirklichen zu können.

 

Weshalb ist das Mikrokreditprogramm nur für Frauen?

Zum einen haben Frauen im Schnitt ein niedrigeres Bildungsniveau, eine geringere Ausstattung mit materiellen Sicherheiten und leiden oft unter gesellschaftlicher Marginalisierung. Durch Mikrofinanzprogramme werden Frauen somit gezielt gestärkt und ein Schritt hin zur Geschlechtergerechtigkeit wird getan. Der Hauptgrund dürfte aber die Erfahrung sein, dass Frauen Rückzahlungen pünktlicher und zuverlässiger leisten, als ihre Ehemänner.

 

Wer kann davon profitieren?

Nortèze DORVILSILOAH engagiert sich im Bergdorf Lougou im Süden Haitis für Mikrokredite. Das Dorf liegt völlig abgelegen von jeglicher Zivilisation, nicht einmal eine richtige Strasse führt dort hin. Es gibt weder ein funktionierendes Stromnetz noch fliessendes Wasser. Die Menschen leben in grosser Armut. Die 65 Jahre alte Nortèze Dorvil lebt seit gut fünfzig Jahren in Lougou und ist eine von 64 Frauen, die vom Mikrokreditprogramm profitieren kann.
Hier ist ihre Erfolgsgeschichte:
Nortèze wurde in einem kleinen Dorf namens Dacouya geboren. Ihre Eltern arbeiteten in der Landwirtschaft, weshalb sie nicht einmal daran dachten, ihre Tochter zur Schule zu schicken. Die Gebühren waren zu hoch und Nortèzes Unterstützung in der Feldarbeit war für die Familie überlebenswichtig. Bis heute gehört Nortèze zu den 40% in Haiti, die weder lesen noch schreiben können.

Mit 16 Jahren fand Nortèze einen Mann und zog zu ihm nach Lougou. Mit 17 jährig bekamen die beiden das erste von insgesamt zehn Kindern. Für Nortèze war es immer wichtig, dass ihre Kinder die Schule besuchen. Um die AusbildunLougou (15)g zu finanzieren, haben Ihr Mann und sie deshalb stets hart gearbeitet und gespart. Heute leben die meisten ihrer Kinder in Port-au-Prince oder Cayes, wo sie eine gute Ausbildung genie ssen konnten. Ein paar Kinder sind aber auch bei Nortèze in Lougou geblieben, darunter auch 2 ihrer 12 Grosskinder.

Seit ihr Mann vor drei Jahren gestorben ist, schafft es Nortèze kaum mehr alleine, für sich selbst und ihre noch auszubildenden Nachkömmlinge zu sorgen. Doch sie hat Hilfe gefunden: Nortèze hat sich für das Mikrokreditprogramm von Lougou eingeschrieben.

 

Wie werden die Frauen unterstützt?

Nortèze hat einen Kredit für ein halbes Jahr über 1500 HTG erhalten, das entspricht ungefähr 30 CHF, sodass sie ihren Ackerbau weiterhin betreiben und bestenfalls ausbauen kann. Damit die Geschäftsidee ein Erfolg wird, erhielt sie vom Frauenverein Beratung und gezielte Schulung, angepasst an ihr eigenes Projekt.

Mit dem Ziemikrokredit-haiti14l der Selbsthilfe lässt man Frauen wie Nortèze selbständig ihr Projekt durchführen, wodurch sie selber lernen müssen, Geld zu sparen und sinnvoll damit umzugehen. Alle zwei Wochen besprechen einheimische Mitarbeiter von SILOAH mit den Frauen ihre Erfahrungen und Ergebnisse. Anhand dieser Gespräche sehen sie, wo allfällig noch Hilfe gebraucht wird. Oberstes Ziel ist es, dass die Frauen später ihr Geschäft selbständig und ohne Kredite führen können.

Nortèze ist begeistert: „Nur dank dem Kredit von MOFADEL kann ich meinen Ackerbau aufrechterhalten und für meine Kinder sorgen. Immer wenn sie Bücher, Sandalen oder Kleider brauchen, kann ich dank meinem Verdienst ihren Bedürfnissen gerecht werden.“ Ihr Wunsch sei es, dass viele weitere Frauen von dem Mikrokreditprogramm in Lougou profitieren können.

Neuerdings unterstützt das Mikrokreditprogramm von Lougou nicht nur Frauen mit einer Geschäftsidee, sondern auch Studenten beim Bezahlen der Studiengebühren und einer Unterkunft. Das Dorf hat festgestellt, dass eine Entwicklung nur mit gut ausgebildeten Arbeitskräften stattfinden kann. Deshalb wird jetzt in Studenten investiert, die nach dem Studium dann in ihr Heimatdorf zurückkehren, der Gesellschaft zu einer Verbesserung verhelfen und die Kinder zum Lernen animieren sollen.

 

Wie können Sie helfen?

DSCF9087Unterstützen Sie eine Frau, eine Studentin oder einen Studenten in Haiti mit einem Mikrokredit. Die Rückzahlung des Kredits kommt einer anderen Frau oder einem Studenten/Studentin zugute. Sie helfen somit nicht nur einer einzigen Person, sondern einer ganzen Generation und legen dadurch den Grundstein zum Wiederaufbau einer Gesellschaft, die nicht mehr von Armut geprägt ist.